OPTOGRAMM|PROGRAMM

Performances

Piet Esch ist sich über die Beziehung zwischen ihm und seiner Kamera nicht mehr im Klaren und fragt sich, wer hier überhaupt wen steuert. Um das langjährige Verhältnis zwischen ihnen beiden besser verstehen zu lernen, hat er sich entschieden, sich von seiner ersten gekauften digitalen Filmkamera zu trennen, ja sie sogar umzubringen. In ihrer letzten Aufnahme sieht die Kamera die gesamten 400’000 geschossenen Fotos der letzten vier Jahre in 25fps vor ihrer Linse vorbeiziehen. Währenddessen liegt sie in einem runden Glasbehälter, der sich langsam mit Kunstharz füllt. Wann die Kamera den Umständen geschuldet nun stirbt und welches ihr zuletzt gespeichertes Bild ist, bleibt ungewiss. Denn konserviert in Harz, bleibt das aufgenommene digitale Material unerreichbar. Parallel dazu dokumentiert eine 35mm-Kamera, auf der Piet Esch einst sein Kamerahandwerk erlernte, Ausschnitte des Vorgangs. Das belichtete Material wird entwickelt und am Ende ebenso in Kunstharz eingegossen. In der Gegenüberstellung der zwei unterschiedlichen Techniken zur filmischen Aufzeichnung visueller Information wird ebenso ein Fokus auf die damit verbundenen Praktiken gelegt. Themen wie (Langzeit-)Speicherung, Materialität, standardisierte Formate, Apparaturen und Instrumente sowie deren Herkunft und Verfügbarkeit werden nebenbei behandelt, sowie die Performance durch Zitate von Autoren und Autorinnen aus der Film-, Meiden- und Apparatustheorie begleitet werden.

 Sprecher: Piet Esch, Eva Meyer

Die Performance fand im Rahmen der Diplomausstellung 2016 an der Zürcher Hochschule der Künste statt. Die Artefakte wurden anschließend ebenda ausgestellt und durch eine Audioaufnahme der Performance begleitet.

OPTOGRAMM|PROGRAMM, 2016